Im Frühjahr 2005 initiierte Daniel Barenboim die Gründung des Musikkindergartens Berlin und gab ihm die Leitlinie, „nicht Musikerziehung, sondern Bildung der Kinder mit und durch Musik“ zu realisieren.

Mit den Musikern der Staatskapelle Berlin hatte Daniel Barenboim auf einer Tournee über diesen Plan gesprochen und sie gebeten, ehrenamtlich den Kindergarten musikalisch zu unterstützen. Und dies tun die Musiker: Seit nun zehn Jahren kommen sie Woche für Woche in den Musikkindergarten, zeigen, spielen, erläutern ihre Instrumente, geben kleine Konzerte, begleiten Lieder, bringen Konzert- und Opernliteratur mit, vertiefen musikalisch Bildungsschwerpunkte und führen gemeinsam mit den Erzieherinnen und den Kindern alljährlich Projekte durch. Die Akademisten der Staatskapelle helfen ebenfalls, vor allem dann, wenn die Staatskapelle Berlin auf Tournee ist.

 

Die große Professionalität der Musiker gibt den Kindern die besten Hörmuster für die Schulung der eigenen Ohren; sie lernen sehr früh ein großes Repertoire klassischer, neuer und improvisierter Musik; die Kinder kennen alle Instrumente und wissen viel über ihre Bau- und Wirkungsweise; sie erfahren, wie viel die Musiker üben müssen, und den für jedes Lernen so entscheidenden Spannungsbogen von Disziplin und Leidenschaft.

Der Kindergartenalltag ist musikalisch strukturiert, es wird viel gesungen und getanzt. Zahlreiche Musikinstrumente sind jederzeit für die Kinder erreichbar und können von ihnen „gespielt“ werden. Wo welche Musikinstrumente eingesetzt werden dürfen, ist geregelt: Denn drei quietschende Kindergeigen, untermalt von kräftigen Flötentönen und Tamburinen in den Gruppenräumen würde niemand lange aushalten. Wenn man nun glaubt, ein musikalischer Kindergarten sei besonders laut, dann täuscht man sich. Jeder Besucher ist als erstes erstaunt darüber, wie leise es im Musikkindergarten zugeht. Geschulte Kinderohren lehren eben auch, differenziert mit der Stimme umzugehen.

Jedes Jahr im Sommer wird ein gruppenübergreifendes Projekt zu einer kleinen Vorstellung geformt - nicht für die Öffentlichkeit, allein für die Eltern, Großeltern und Geschwister. Für das Team des Musikkindergartens ist dies jedes Mal eine Herausforderung: Es sind viel Phantasie und Improvisationsgabe gefordert, dazu solide musikalische Kenntnisse, um mit den Musikern ein musikalisch stimmiges Konzept zu entwerfen, vor allem ein Konzept, das allen bei uns vertretenen Altersgruppen gerecht wird. Es braucht also Elemente, die die Zweijährigen begeistern, und Herausforderungen für die Vorschulkinder.

Dies war Jahr für Jahr bis einschließlich 2016 die Leistung der bisherigen Leiterin Leonore Wüstenberg, die federführend die Projekte konzipierte, federführend betreute und die Regie in der Hand hielt. Das Ganze darf zeitlich eine Dreiviertelstunde nicht überschreiten, soll den Kindern Vergnügen bereiten und Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit bieten, für einige Wochen an einem Projekt zu werkeln, Szenen zu üben und schließlich „aufzutreten“. Nach unseren Erfahrungen sind diese Projektabschlüsse für die Kinder ein Höhepunkt in ihrer Kitazeit und bleiben über Jahre in der Erinnerung.

Der Musikkindergarten hat sich 2017 neu strukturieren müssen, nachdem nach 11 1/2 Jahren die bisheriger Leiterin zum Ende ihrer Berufstätigkeit eine ruhigere Aufgabe gesucht und gefunden hat. Es gibt nun eine Doppelspitze: Die Management-Leitung hat die bisherige Stellvertreterin, Annika Kontermann, übernommen. Für die musikalische Leitung konnten wir Nina Braune gewinnen. Die Stellvertretung hat Matthias Ibach übernommen.